Die Carl-Bolle-Schule und ihr Namensgeber

Im Jahr 1902 wurde die “240. und 254. Gemeinde-Doppelschule” – erbaut nach den Plänen des Architekten und Baustadtrates Ludwig Hoffmann – nach zweijähriger Bauzeit eröffnet. Mädchen und Jungen wurden zur damaligen Zeit noch streng getrennt voneinander unterrichtet.

Später wurde die Schule zweimal umbenannt: in “90. Volksschule” und schließlich in “8. Grundschule Tiergarten.” Erst im Jahr 1968 musste auf Verordnung des Berliner Senats ein Namensgeber gefunden werden. Man einigte sich auf den Berliner Unternehmer Carl Andreas Julius Bolle, Begründer der Meierei C. Bolle und später der Lebensmittel-Filialkette gleichen Namens.

Der damalige Bezirksbürgermeister J. Karnatz beglückwünschte die Schule in seiner Festrede anlässlich der Namensgebung im November 1968 mit den Worten:

“Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Carl Bolle auf Grund seiner geschäftlichen Erfolge und seines menschlichen Verhaltens als Bürger unserer Stadt auch unserer heutigen Jugend noch durchaus als Leitbild dienen kann. … Die hohen moralischen Anforderungen, die Bolle an sich selbst und seine Mitarbeiter stellte, sowie sein soziales Bemühen unterstreichen, wie berechtigt die Erinnerung dieses Bürgers unseres Bezirks ist, der sich durch sein rastloses Tun in das Buch der Geschichte eingeschrieben hat.”

Carl Bolle (1832-1910), der in einer wechselvollen Karriere vom Maurermeister zum erfolgreichen Unternehmer aufstieg, war Zeit seines Lebens sozial engagiert und setzte sich nach Kräften für das Wohl der Menschen ein. Seine Bedeutung wuchs im Laufe seines Lebens weit über die Grenzen Tiergartens und Berlins hinaus.

1886 kaufte er das Gelände in Alt-Moabit, und schon 7 Jahre später besaß er ca. 100 Milchwagen, die an 3000 Haltestellen der Stadt jeden Morgen Milch verkauften. Die Zahl der Mitarbeiter Carl Bolles stieg stetig: 1891 hatte er über 700 Mitarbeiter, im Jahr 1900 waren es etwa 2000.

Seine großen Verdienste bestehen unter anderem in dem von ihm entwickelten Milch-Verteilungssystem und in der Einführung von Methoden zur Sicherung der Hygiene. Dies führte dazu, dass die Säuglingssterblichkeit in Berlin erheblich sank.

In der ganzen Stadt waren die Bollejungen berühmt, die auf dem Rücksitz des Milchfuhrwerkes die Bolle-Bimmel schwangen und beim Austragen der Milch und beim Kassieren halfen.

Heute befinden sich auf dem Gelände der ehemaligen Meierei ein Bürozentrum, Wohnungen, ein Hotel und eine Ladenzeile.

Ein Milchwagen auf dem Mittelhof erinnert an unseren Namensgeber.
Ein Milchwagen auf dem Mittelhof erinnert an unseren Namensgeber.
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